Online-Marketing News 2021-05

Lesen Sie über das kommende WordPress 5.8, die neue EU Regelung zur Umsatzsteuer, über die Core Web Vitals, über FLoC, LCP, FID, CLS. Normale Worte kommen übrigens auch vor, Sie können beruhigt weiterlesen.

Neuigkeiten aus der Online-Marketing Welt, über die Sie Bescheid wissen sollten. Warum Sie sich mit Core Web Vitals beschäftigen, aber das Konzept der Lieferschwelle dagegen vergessen können. Was WordPress 5.8 bringen wird, und wie Sie Ihre Website “beplanen” können.

Inhaltsverzeichnis

WordPress 5.8

Bald ist es soweit und WordPress wird in Version 5.8 erscheinen. Das ist die gravierendste Neuigkeit dabei:

Full Site Editing

Das bedeutet, dass Sie mit Gutenberg-Blöcken neben den Inhalten von Seiten und Beiträgen auch andere Teile einer Website erstellen können, also (in Zukunft) etwa Kopf- und Fußzeile. Damit nimmt der Stellenwert von Themes wohl weiterhin ab. Erst einmal wird der Einbau eines Login-/Logout-Buttons und auf Archivseiten die Beschreibung für Kategorien und Tags möglich sein. Ein Babyschritt nach dem anderen.

Und am Gutenberg-Plugin wird ebenfalls weiterentwickelt. Die dort gemachten Neuerungen (horizontaler Abstandhalter, Nutzung leerer Blöcke, Bilder mit Drag and Drop in Cover-Block ziehen, etc) fließen früher oder später in den WordPress-Core ein, wo der Gutenberg Block-Editor ja verwendet wird. Das eigene Gutenberg-Plugin lässt Sie nur ein wenig früher an den Neuerungen teilhaben.

Mit der neuen WordPress Version ist voraussichtlich im Juli 2021 zu rechnen.

Zur WordPress Roadmap


Die EU und die Umsatzsteuer

Eine Geschichte voller Bürokratie und Missverständnisse. Oder etwa nicht?

Es ist es ja ein erklärtes Ziel der EU, verschiedenes innerhalb der Union zu vereinfachen. Denken Sie nur an die 4 Grundfreiheiten als Grundlage des Binnenmarkts.

Freier Verkehr von:

  • Waren,
  • Personen,
  • Dienstleistungen und
  • Kapital.

Die Umsatzsteuer zählt (in Kürze) nicht mehr dazu.

Denn alle Onlineshop-Betreiber, die auch ins EU-Ausland liefern, haben ab 1. Juli 2021 den jeweiligen Umsatzsteuersatz des Bestimmungslandes zu beachten, und die dort angefallene Umsatzsteuer an dieses Land abzuführen.

Bisher konnte ein österreichisches Unternehmen bei Lieferung auch etwa an deutsche Privatkunden die österreichische Umsatzsteuer (20%) in Rechnung stellen, und diese an das österreichische Finanzamt abführen. Also selbes Verhalten wie beim Verkauf im Inland. Das war möglich, wenn eine bestimmte Lieferschwelle von zumeist 35.000 EUR (Deutschland: 100.000 EUR) an das jeweilige Land nicht erreicht wurde.

Ab 1.7.2021 gibt es EU-weit die Lieferschwellen nicht mehr.

Bild von Роман Распутин auf Pixabay

Ab 1. Juli wird in dem Beispiel die deutsche Umsatzsteuer (19%) auf den Nettopreis aufzuschlagen sein, und später an das deutsche Finanzamt abzuführen.

Nur bei Kleinstunternehmern mit Versandhandelsumsätzen von bis zu 10.000 Euro pro Jahr gesamt ist weiterhin eine Besteuerung in dem Land vorgesehen, wo die Versendung oder Beförderung beginnt. 

Zur Erleichterung des Ablaufs wurde nun der Mini-One-Stop-Shop (MOSS) ausgeweitet. Der EU-One-Stop-Shop (EU-OSS) bietet ab 1.7.2021 den österreichischen Unternehmern, ohne sich im Bestimmungsland registrieren zu müssen, die Möglichkeit, die in anderen EU-Ländern zu entrichtende Umsatzsteuer über FinanzOnline zu erklären und abzuführen. 

Mehr dazu erfahren sie bei der WKO. Und bei Ihrer Steuerberatung.

Was kostet diese Hose? – Kommt darauf an!

Was aber bedeutet das nun für die Umsetzung im Onlineshop? Sie müssen für alle EU-Bestimmungsländer den dort jeweils gültigen Umsatzsteuersatz hinterlegen. Besucher des Onlineshops könnten also erst mal nur einen ungefähren Produktpreis sehen, solange sie das Bestimmungsland noch nicht angegeben haben.

Woocommerce-Nutzer/innen haben aber auch die Möglichkeit, allen Shopkund/innen denselben Preis zu zeigen, ungeachtet des späteren Bestimmungslands. Natürlich nur, wenn Sie das möchten.

Voraussetzung: Sie geben im Shop ab sofort die Bruttopreise (inkl. der heimischen Umsatzsteuer) ein, was dann automatisch zu einer Anpassung von Nettopreis und Umsatzsteuer je nach Bestimmungsland führt. Lassen Sie sich bitte darauf hinweisen, dass es sich schon seit Jahren um ein “experimentelles” Feature von woocommerce handelt. Wir empfehlen daher, das erst an einer Shop-Kopie zu testen (hier geht es zu unserem Demoshop).

Mehr dazu bei Woocommerce

Listen mit Umsatzsteuern in der EU

Ein Tutorial (auf englisch) zu Steuerangaben in Woocommerce


Google, FLoC Off?

Ähm, was bitte ist FLoC eigentlich? Lassen Sie mich ausholen.

Apple setzt im Moment besonders Facebook stark unter Druck mit dem sogenannten Anti-App Tracking Feature (ATT) ab iOS Version 14.5. Denn Apps müssen damit ihre Benutzer/innen erst danach fragen, ob ein personenbezogenes Tracking für spätere website- und app-übergreifende Nutzung zu Werbezwecken erlaubt ist. Wenn die Mehrheit der Benutzer/innen – und danach sieht es aus – die Zustimmung zur Nutzung von Third-Party Cookies verweigert, lassen sich in Facebook und Instagram kaum mehr sinnvoll relevante Zielgruppen erreichen, die aufgrund ihres Verhaltens identifiziert wurden.

Google findet sich damit scheinbar bereits ab, und will mit FLoC einen eigenen Weg gehen. FLoC steht für Federated Learning of Cohorts. FLoC soll Werbetreibende dabei unterstützen, Verhaltens-Targeting auch ohne Third-Party Cookies zu nutzen. Der eigene Browser soll ein Profil des/der Besitzer/in aufgrund des Verhaltens (Website-Besuche) erstellen, und dann dieses Profil einer “Kohorte” von mindestens 1.000 Personen zuordnen. Unter einer Kohorte versteht man also eine Gruppe von Personen mit nahezu identischen Suchanfragen.

Dieses Profil soll – anonymisiert als Teil der Kohorte – unter Angabe der Kohorten-ID (FLoC-ID) mit anderen Websites und Werbeplattformen geteilt werden können. Selbstverständlich ohne konkrete Angabe von Daten wie Name, Mail-Adresse, etc.. Das soll sicherstellen, dass sich keine Einzelpersonen identifizieren lassen. 

Aber, hingegen und jedoch

Die Electronic Frontier Foundation (EFF), eine Non-Profit Organisation, findet das noch schlimmer als die bisherige Situation mit Third-Party Cookies.

Google’s FLoC Is a Terrible Idea

EFF

Denn die eigene FLoC-ID wird damit zu einer Art Zusammenfassung der eigenen Web-Aktivitäten, die sogar von anderen Websites ausgelesen werden kann, und nicht nur von den Werbeplattformen wie Google Ads. Die zugeordnete Kohorten-ID lässt sich anschließend mit anderen Tracking-Methoden verknüpfen, wie etwa dem “Browser-Fingerprinting”. Damit könne man sehr wohl individuelle Informationen über Website-Besucher/innen herausfinden.

Zum EFF Artikel

Was sagen andere? Die meisten Browser-Hersteller wollen FLoC nicht unterstützen.

Die WordPress-Macher stufen FLoC gar als Sicherheitsrisiko ein, und verhindern a priori die Tracking-Technik in WordPress-Websites.

Aber auch wenn Google den FLoC-Weg aufgrund des großen Widerstands nicht beschreiten wird: die digitale Welt wird ein Gleichgewicht finden müssen zwischen der Möglichkeit, passende Zielgruppen für werbetreibende Unternehmen zu identifizieren, und dem Bewahren der Privatsphäre von Nutzer/innen. Das letzte Wort ist bei diesem Thema noch lange nicht gesprochen.


Core Web Vitals

Was ist den Besucher/innen von Websites – abhängig vom Inhalt der Website – besonders wichtig?

  • Schneller Aufbau der Seite am Bildschirm
  • Rasches Interagieren können (etwa bei Klick auf Links oder Scrollen Können)
  • Visuelle Stabilität (keine nachträgliches Verschieben von Objekten, nur weil noch etwas nachgeladen wurde)

Google hat dazu drei Kennzahlen unter dem Gesamtbegriff Core Web Vitals entwickelt, die genau darüber Bescheid geben können. Das hauseigene Testtool legt natürlich ganz besonders Wert auf die Darstellung dieser Kennzahlen.

Stand 2021-05-13

Voraussichtlich Mitte des Jahres 2021 werden die Core Web Vitals gemeinsam mit anderen Messwerten zu Usability und Performance in die Ranking-Berechnung bei der Suchmaschine Google eingehen.

  1. Core Web Vitals.
    • LCP – Largest Contentful Paint (Schnelle Anzeige des größten sichtbaren Elements einer Seite)
    • FID – First Input Delay (Geringe Blockade-Zeit)
    • CLS – Cumulative Layout Shift (Keine nachträgliches Verschieben von Elementen)
  2. Mobil-Freundlichkeit
  3. Sicheres Browsing
  4. HTTPS
  5. Keine intrusiven Interstitials

Die Crux an der Sache

Die Google Search Console zeigt bereits jetzt solche Kennzahlen an. Dabei ist zu beachten, dass solche Daten nicht einfach direkt von Google gemessen werden (“Lab Data”), sondern sich aus Daten ergeben, die mittels Chrome User Experience Report (Crux) von echten Website-Besucher/innen erfasst wurden (“Field Data”).

Aus unserer Sicht haben diese Faktoren besonderen Einfluss auf die Performance einer WordPress-Website:

  • Der genutzte Page Builder und dessen (ausufernde) Nutzung
  • Die Größe von Bildern in Seiten
  • Die Qualität des Hosting Produkts des Providers
  • Das aktive Theme

Mehr Details zu den Core Web Vitals in diesem Artikel des SearchEngineJournal (englisch)

Die Chrome Erweiterung Web Vitals liefert blitzartig die wesentlichen Werte für jede Seite.


WP Plugin Tipp: Leaflet Map

Sie wollen in Ihrer Website einen Orts-Plan zeigen, in dem Sie bestimmte Stellen markieren können? Sie wollen sich dabei aber nicht mit Google Maps herumschlagen, und der nötigen und technisch ambitionierten Einrichtung mittels Google Cloud?

Dann könnte dieses Plugin Ihre Wünsche erfüllen. Es arbeitet mit OpenStreetMap als Kartenbasis, und bietet zahlreiche Möglichkeiten.

Zum Plugin Leaflet Map bei wordpress.org


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Heinz Duschanek
Heinz Duschanek hat 2003 die Online-Marketing Agentur E-Werkstatt gegründet. Da er vorher auch beim Radio gearbeitet hatte (Radio CD International, Ö1, Ö3), freut er sich jetzt ganz besonders über die Richtung, die das Online-Marketing nimmt. Das gibt ihm die Ausrede, viele elektrischen Geräte und Gadgets rund um Audio und Video anzuschaffen. Daneben interessiert er sich auch für Tango Argentino, Lindy Hop, Wing-Tsun, Boxen, (Jazz-/Blues-)Gitarre, Motorrad-Fahren.

2 Kommentare

  1. “Normale Worte kommen übrigens auch vor, Sie können beruhigt weiterlesen.” Sehr cool 😉
    Danke für die übersichtliche Zusammenfassung – optimiere meine Seite selber und da ist es nicht leicht den Überblick zu behalten – 2 Fragen habe ich aber dennoch:

    Bei Page Builder und Theme – habt Ihr da eine Empfehlung? Bin mit meinem so semi zufrieden

    Bei Leaflet Map – muss man dann auch die 2 Klick Lösung beachten wie bei Google Maps?

    Danke und liebe Grüße
    Karoline

    • Hallo Karoline,

      ich freue mich, wenn die Infos hilfreich sind.

      Wir sind an sich immer noch Fans von Elementor (Pro), aber die Frage ist ein Stich ins Wespennest. Sehr gut ist auch Oxygen. Aber wir haben bei unserer Website ganz auf Gutenberg (mit Stackable) gesetzt. Schnell, und kannhinreichend genug.

      Ad Leaflet: eine Rechtsfrage, daher sind wir die falschen Ansprechpartner für eine möglichst exakte Antwort. Aber wenn die Tiles von einem deutschen Server stammen, dann vermutlich nicht, weil OpenStreetmap ja keine User-Daten weiter benutzt, so wie Google Maps. Wenn Du auf sicher gehen willst, dann mache dennoch die 2 Klick Lösung. Plus Erwähnung in der Datenschutzerklärung.

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