GA4 – das neue Google Analytics ist da

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Lesezeit: 7 Min

Google hat das hauseigene Web-Analytics Programm auf neue Beine gestellt. “Google Analytics 4” (im folgenden GA4 genannt) heißt das neue Ding, und soll über kurz oder mittel (lang wahrscheinlich nicht) das bisher genutzte Universal Analytics ersetzen. Wir werfen einen Blick darauf.

Die wesentlichen Merkmale von Google Analytics 4

Eine Web-Analytics Software dient dazu, das Verhalten von Besucher/innen einer Website kennenzulernen, und daraus Schlüsse ziehen zu können. Dazu zählt auch das Erfassen der Websites, von denen aus Besucher/innen gekommen sind, und das Erfassen bestimmter Aktionen auf einer Website oder in einer App.

Mit GA4 ist es möglich, den gesamten Traffic von Website(s) und App(s) innerhalb derselben Property zu erfassen, also so wie wenn das ein einziges Ding wäre. Weiters stellt Google auf Basis von Artificial Intelligence Möglichkeiten bei, auffällige Trends und Vorhersagen zu erhalten. Etwa dass es einen auffälligen Anstieg in der Nachfrage bestimmter Produkten gibt, dass eine Traffic-Quelle unerwartet viel oder wenig Traffic liefert, und mehr. Sogar die “Churn-rate” (Rate des Kundenverlusts) soll vorhergesagt werden können, um rechtzeitig Maßnahmen dagegen treffen zu können. Google spricht dabei von “besserem ROI durch smarte Insights”.

Die Sichtweise soll in GA4 jedenfalls wesentlich kunden-bezogener sein, anstelle den Fokus auf Aspekte wie Geräte- oder Plattform-Nutzung zu richten.

Zum Beispiel: eine Person sieht auf Youtube eine Ad, installiert und nutzt danach eine App des Unternehmens auf dem Smartphone, und tätigt dort Käufe. Auf der Website holt sich dieselbe Person später Informationen im FAQ oder Support-Bereich. 

Google Analytics 4 will ein ganzheitliches Bild zu User Journey und Customer Lifetime Cycle ermöglichen – von der Kundenakquise zur Conversion bis hin zur Kundenbindung.  

Einrichtung einer GA4 Property

Bei Universal Analytics wurde jeder Website und jeder App eine eigene Property zugeordnet. Bei GA4 (vorher “App + Web Property” genannt) können nun mehrere Datenstreams als “Daten-Lieferant” für die Property angegeben werden. Ein solcher Datenstream entspricht dabei dem Tracking einer Website oder App. Die Datenstreams werden mittels einer Mess-ID identifiziert. So können also in derselben GA-Property (mit einer ID in der Art wie “UA-1234567-1”) mehrere Datenstreams mit unterschiedlichen Mess-IDs angelegt werden.

Datenstream Mess-IDs folgen der Form “G-A1BB2CCC3D4E”.

GA4 neu anlegen

Danach zeigt GA Infos zum neuen Datenstream mit Einbauhinweisen:

Neuer GA4 Datenstream im Bild
Neuer Datenstream (Web)

Der Einbau kann erfolgen mit Hilfe eines Global Site Tag (gtag.js). Der entsprechende Code Snippet muss in den <head>-Bereich aller Seiten der Website eingetragen werden.

 <!-- Global site tag (gtag.js) - Google Analytics -->
<script async src="https://www.googletagmanager.com/gtag/js?id=MEASUREMENT_ID"></script>
<script>
  window.dataLayer = window.dataLayer || [];
  function gtag(){dataLayer.push(arguments);}
  gtag('js', new Date());

  gtag('config', 'MEASUREMENT_ID');
</script>

Oder es wird der Google Tag Manager dafür benutzt. Dort gibt es dafür bereits einen “Google Analytics: GA4-Konfiguration”-Tag:

Dieser Tag soll bei allen Seiten-Aufrufen ausgelöst werden. Wenn Sie ein Cookie-Opt In Tool nutzen, dann nur in dem Fall, wenn das Einverständnis der Besucherin vorliegt, also so wie vermutlich derzeit schon für das bisher übliche Google Analytics Tracking.

Auch eine Art Upgrade einer GA Property auf GA4 ist möglich. Beim Upgrade wird die Property mit einer neuen Google Analytics 4-Property verbunden, das vorhandene Tagging und die aktuellen Einstellungen werden dabei übernommen.

Upgrade Beginn

Beim Upgrade kann es erforderlich sein, dem existierenden gtag.js Snippet eine weitere Zeile hinzuzufügen. Oder Sie können Verbundene Website-Tags aktivieren, mehr dazu finden Sie in der Google Analytics Hilfe.

In diesem Fall wird eine neue GA4 Property erstellt, die anschließend mit der bereits existierenden UA-Property verbunden wird, sodass kein weiterer Eingriff in die Website nötig ist.

Fertig eingerichtet?

Ist alles geschafft, und die neue GA4 Property erfasst Daten, dann sieht die GA4 Startseite so ähnlich aus wie hier:

Die Standardberichte in GA4

Die Einteilung der Standardberichte orientiert sich nun wesentlich mehr an wirtschaftlichen Anforderungen. So gibt es (derzeit) diese Berichtskategorien mit ihren Berichten:

Lebenszyklus

  • Akquisition
    • Übersicht
    • Statistiken zur Nutzergewinnung (Anm.: Nutzerbezogene Sichtweise)
    • Neu generierte Zugriffe (Anm.: Session-bezogene Sichtweise)
  • Engagement
    • Übersicht
    • Ereignisse
    • Seiten und Bildschirme
  • Monetarisierung
    • Übersicht
    • E-Commerce-Käufe
    • In-App-Käufe (Anm.: für Apps)
    • Publisher-Anzeigen (Anm.: für Apps)
  • Bindung
    • Übersicht

Nutzer

  • Demografische Merkmale
    • Übersicht
    • Demografische Merkmale
  • Techn. (Technologie)
    • Übersicht
    • Technologie-Details

Ereignisse

  • Conversions (Anm.: für Apps)
  • Alle Ereignisse

Erkunden

  • Analyse
    • Hub des Analysetools (mehr dazu weiter unten)
    • Vorlagengalerie

Konfigurieren

  • Zielgruppen
  • Nutzereigenschaften
  • DebugView

Ganz am Ende der Navigation gibt es dann noch den Link zur Verwaltung wie gewohnt.

Allgemeines zu Berichten in GA4

So gestalten sich die neuen Berichte in GA4, am Beispiel “Statistiken zur Nutzergewinnung”:

Statistiken zur Nutzergewinnung

Sie finden also in der obersten Zeile den Berichtsnamen (das grüne Symbol zeigt, dass dafür alle Daten verwendet wurden), die Möglichkeit zu Vergleichen mit Segmenten, den betrachteten Zeitraum, und die Möglichkeit zur Anpassung des Berichts, zur Freigabe an andere sowie zu verbal formulierten Statistiken.

Statistiken
Nach Klick auf “Statistiken”

Die in UA-Properties von mir oft benutzte Sekundäre Dimension erhält man mit Klick auf das Plus-Symbol neben “Nutzermedium” (linke Spalte).

Sekundäre Dimension
Sekundäre Dimension

Segmente werden jetzt unter “Vergleich hinzufügen” zugänglich gemacht:

Oder:

Vergleiche von Segmenten

(Vorläufige) Nachteile:

  • Diese Vergleiche können – im Gegensatz zu den Segmenten der UA-Properties – nicht als Zielgruppe abgespeichert werden. Zum Erstellen eigener Zielgruppen dient jetzt der Menüpunkt “Zielgruppen” unter “Konfigurieren”.
  • Es stehen (noch) nicht so viele Möglichkeiten zur Verfügung wie in den UA-Properties. Ich konnte noch keinen Vergleich anstellen mit Besuchern, deren Sitzungsdauer (“Durchschnittliche Interaktionsdauer”) länger als zB 30 Sekunden dauert. Eine solche Bedingung lässt sich scheinbar derzeit noch nicht einrichten, weder als Vergleich noch bei den Zielgruppen.

Der Klick auf Edit in Analysis öffnet einen neuen Bericht, der stark an weitgehend frei konfigurierbare Berichte im Google Data Studio erinnert:

Solche Berichte finden sich auch unter Hub des Analysetools (s.u.), da gibt es jede Menge an interessanten Vorlagen.

Ereignisse in GA4

In Google Analytics 4 gibt es die Ereignistypen, die in den Dimensionen “Ereigniskategorie”, “Ereignisaktion” und “Ereignislabel” sowie dem Messwert “Ereigniswert” implementiert werden, nicht mehr. In einer GA4 Property ist nun jeder “Treffer” ein Ereignis. Es wird nicht mehr zwischen Treffertypen unterschieden.

Ereignisse werden aber einer von vier Kategorien zugeordnet:

  1. Automatisch erfasste Ereignisse werden im Rahmen der grundlegenden Datenerfassung automatisch erhoben.
    • Dazu zählen Ereignisse wie Klicks auf Ads (in Apps), Klicks zu externen Domains (Web), Datei Downloads (Web), erstes Öffnen einer App, Käufe in Apps, Seitenaufrufe (Web), und mehr.
  2. Ereignisse für optimierte Analysen können in GA4-Properties über die Verwaltungsoberfläche aktiviert und deaktiviert werden.
    • Mit optimierten Analysen können Sie Interaktionen mit Ihrem Content messen, indem Sie bestimmte Optionen (Ereignisse) auf der Google Analytics-Oberfläche aktivieren. Das sind dann weitere Ereignisse ausgelöst durch Seitenaufrufe, Scrollings, Klicks auf externe Links, Video-Betrachtungen und mehr.
  3. Empfohlene Ereignisse werden zwar manuell implementiert, haben aber von Google vordefinierte Namen und Parameter. Damit können Sie vorhandene und zukünftige Berichtsfunktionen nutzen, die für benutzerdefinierte Ereignisse, denen Sie selbst Namen zuweisen, nicht verfügbar sind. Es gibt derzeit empfohlene Ereignisse für:
    • Alle Properties
    • Einzelhandel/E-Commerce
    • Karriere und Beruf, Bildung, lokale Angebote, Immobilien
    • Reisen
    • Spiele
  4. Und Benutzerdefinierte Ereignisse benennen und implementieren Sie selbst.

Ereignisse, die in UA-Propertys mit Kategorie, Aktion, Label und Wert angelegt wurden, können aber umgewandelt werden:

  • “Ereignisaktion” wird in der GA4-Property zu einem Ereignisnamen
  • Aus “Ereigniskategorie”, “Ereignislabel” und “Ereigniswert” werden in der GA4-Property Parameter. Diese Parameter müssen nur noch registriert werden, wenn diese in Ihren GA4-Berichten berücksichtigt werden sollen.

Und vermutlich in Kürze (Stand Oktober 2020) können neue Ereignisse einfach auf Basis der bestehenden Ereignisse definiert werden.  

Der Bericht Conversions bezieht sich auf die Erfassung von bestimmten Ereignissen in Apps, die als Conversions betrachtet werden sollen.

Mehr dazu wieder in der Google Analytics Hilfe.

Sonst noch

Cross-Domain Messungen: In UA-Properties ist das gar nicht so einfach einzurichten. In GA4 wird es hingegen wohl ein weiterer Datenstream sein (Status Ende Okt 2020 gibt es das Feature bzw. eine Anleitung dazu noch nicht, aber es soll bald kommen).

Datenschutz: Die neue Lösung soll laut Google „von Natur aus datenschutzorientiert“ sein, gleichzeitig aber auch das Fehlen von Cookies und Identifiern ausgleichen. Damit könne man auf Analytics setzen, selbst „wenn Änderungen in der Branche wie Einschränkungen bei Cookies und Identifiern“ zu weniger Daten führen sollten. Das neue Google Analytics geht davon aus, dass in Zukunft der Einsatz von Third-Party Cookies gar nicht mehr möglich sein wird. Die entstehenden Datenlücken sollen mittels “Modeling” ausgeglichen werden.

Wer Google Analytics 4 einsetzt, kann darüber hinaus entscheiden, wie Nutzerdaten gesammelt und eingesetzt werden sollen, also etwa inwieweit eine Anzeige auf den erhobenen Analyse-Daten beruht. Dazu können Ereignisse als “NPA” markiert werden, was dazu führt, dass diese Ereignisse beim auslösenden User nicht für personalisierte Werbung zugelassen werden. Das ist ganz sicher im Sinne des Datenschutzes eine positive Nachricht.

Bericht Hub des Analysetools: hier bietet Google umfangreiche und komplexe Berichte an. Dazu zählen diese Verfahren:

  • Bei der explorativen Datenanalyse werden Ihre Daten im bekannten Kreuztabellenlayout dargestellt. Sie können aber auch einen anderen Stil auswählen, z. B. ein Balken-, Kreis-, Linien- oder Streudiagramm oder eine Landkarte. 
  • Bei der Trichteranalyse  werden die Kaufprozesse der Nutzer auf Ihrer Website oder in Ihrer App visuell dargestellt.
  • Bei der Segmentüberschneidung (Beispielbild weiter unten) wird anhand von Venn-Diagrammen veranschaulicht, wie verschiedene Nutzersegmente zueinander in Beziehung stehen. So können Sie neue Segmente von Nutzern ermitteln, die komplexe Kriterien erfüllen. 
  • Im Nutzer-Explorer werden die Nutzer angezeigt, aus denen die Segmente bestehen, die Sie erstellen oder importieren. Sie können auch Details zu einzelnen Nutzeraktivitäten aufrufen. 
  • Bei der Pfadanalyse werden die Nutzerpfade in einem Baumdiagramm dargestellt. So können Sie untersuchen, wie Nutzer mit Ihrer Website und App interagieren. 
Hub des Analysetools: Segmentüberschneidung

Fazit

There is a new guy in town. Und er ist gekommen um zu bleiben.

Empfohlen wird, eine zusätzliche GA4-Property anzulegen und parallel zum bestehenden Setup einzubinden. Löschen oder deaktivieren Sie keinesfalls eine existierende UA-Property, sie würden dabei alle historischen Daten und Zahlen verlieren.

Diese Gründe sprechen für den baldigen parallelen Einsatz von Google Analytics 4:

  • Die Entwicklung der bisherigen UA-Properties wird wohl langsam eingestellt werden.
  • Maschinen-unterstützte Analysen erleichtern die Auswertung und Interpretation der Website-Daten
  • Berichte können nun plattform-übergreifend erstellt werden, das lässt die Customer Journey über Geräte hinweg besser verfolgen
  • Das neue Datenmodell basiert nicht mehr auf “Sessions”, sondern auf Ereignissen. Und ist damit wesentlich flexibler in der Anwendung. 

Das neue Google Analytics 4 sieht vielversprechend aus. Es gibt aber einiges zu lernen.

Haben Sie Fragen? Wir unterstützen Sie gerne bei der Einrichtung und Interpretation von Google Analytics 4.

Kontaktieren Sie uns einfach.

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