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Podcast: SEO und Longtail – Interview

31 Mai. 2010 | Geschrieben von

Beim diesjährigen Barcamp in Wien (www.barcamp.at/BarCamp_Vienna_2010), das übrigens hervorragend organisiert war (vielen Dank an dieser Stelle an Rolf, Max und Microsoft Österreich), gab es unter anderem auch eine sehr interessante Session zu SEO (Suchmaschinenoptimierung) und Longtail.

Warum kann es wesentlich mehr Sinn machen, auf Wortkombinationen in der Suchmaschinenoptimierung zu setzen, als auf einfache Worte wie „Urlaub“, „Auto“, „iPhone“. Dazu hatte Thomas Thaler (XING, Twitter), Leiter des Bereichs Social Media und Marketing beim Portal UrlaubUrlaub.at, eine kurzweilige und interessante Session abgehalten.

Ich hatte die Gelegenheit genutzt, und Thomas Thaler zu einem Interview gebeten. Hören Sie das Interview oder lesen Sie die leicht gekürzte Transkription des Interviews.

Thomas Thaler im Interview

Podcast

[audio://www.ewerkstatt.com/wp-content/uploads/2010/06/interview_tom_thaler_20100529.mp3|remaining=yes]

(6,4 MB, MP3, 13:03 min)

Transkription

Heinz Duschanek: Danke für die Bereitschaft für das Interview. Du hast eine Session gemacht zum Thema SEO und Longtail. Hat sich die Suchmaschinenoptimierung in den letzten 10 Jahre massiv geändert? War das früher anders?

Thomas Thaler: Ja, das war definitiv anders. Ich habe in meinem Vortrag den Unterschied gebracht zwischen den sogenannten Blockbuster-Keywords, das sind einfach Wörter wie Wetter oder iPhone, die jeder gerne besetzen möchte, und dem Longtail, der im Prinzip nichts anderes bedeutet, als dass die Menschen nicht ein einzelnes Wort eingeben, sondern zwei, drei, vier, bis zu acht Wörter. Und ich habe da eine relativ neue Statistik gezeigt, wonach nur etwa 20% aller bei Suchenden bei Google nur ein Wort eingeben. 80% geben zwei bis mehrere Wörter ein. Und das hat sich definitiv geändert, weil in den letzten 5 bis 10 Jahren die Anzahl der Websites einfach explodiert ist. Du findest bei einem allgemeinen Begriff wie Urlaub Hundert Millionen Webseiten, und das nutzt Dir natürlich gar nichts. Also Du musst Dein Suchverhalten ein bisschen genauer spezifizieren, eben eingeben „Urlaub Tirol Familie kleine Kinder“.

 

Wissen das die Firmen auch schon? Wie schauen die Wünsche derzeit an die Suchmaschinenoptimierer aus?

Die Firmen wissen’s definitiv nicht. Der Begriff Longtail ist ja nicht aus dem Internet gekommen, sondern aus dem Einzelhandel, also dass man mit ein paar starken Produkten viele kleinere Produkte mitverkaufen kann. Im Supermarkt ist das gang und gebe. Wenn Du zur Kassa gehst, siehst Du dort die kleinen Kaugummis und Zuckerl, die überproportional viel kosten. Und Du nimmst die eine Mozartkugel um 80 Cent, wo die Zehnerpackung einen Euro kostet. Also die Firmen wissen das nicht, aber die Agenturen wissen das sehr wohl, weil natürlich diese Einzel-Keywords nur mehr ganz ganz schwer zu besetzen sind. Bei einem Suchbegriff wie iPhone rittern wahrscheinlich zehntausende Websites um dieses Keyword.

Suche nach „Auto“ versus „Mercedes Benz Baujahr 1982 schwarz“

Ist die Strategie des Longtail aber auch wirtschaftlich ausreichend, statt im Vergleich dazu mit einem Einzelbegriff wie Fahrrad, Auto oder Eigentumswohnung ganz vorne bei Suchmaschinen aufzutauchen?

Es hängt ein bisschen von der Branche ab. Generell zu sagen, dass man nur aus dem Longtail überleben kann, ist falsch. Es macht aber in vielen Branchen aber sehr wohl Sinn, und Du brauchst, um Erfolg zu haben, eine gewisse Portal-Struktur und eine gewisse Größe um den Longtail erfolgreich abzudecken. Ein Suchbegriff wie Auto ist sicher sehr stark, einen Suchbegriff wie „Mercedes Benz 1982 Baujahr Vollautomatik schwarz“ ist schon spezieller, und die Clickrate später ist, je detaillierter ich suche, umso höher. Wenn ich schon eingegeben habe, ich suche einen schwarzen Mercedes Baujahr ’82 mit Automatikschaltung, und dann kriege ich eine Webseite, wo ich genau so ein Auto angeboten bekomme, dann ist die Chance, dass ich mich näher dafür interessiere, unendlich größer, als wenn ich gesagt hätte „Auto“, und eigentlich suche ich einen Renault und keinen Mercedes.

Das bedeutet für einen Autohändler, er müsste eine Seite optimieren auf den schwarzen Mercedes, eine auf den blauen, den grünen, den gelben, und so weiter. Das würde dazu führen, dass die Portale eine Sammlung von Seiten werden, die einander enorm ähnlich sind, und sich nur in Details voneinander unterscheiden.

Ja, das ist technisch richtig. In Wahrheit ist das ja jetzt auch schon so. Ein durchschnittlicher Mercedeshändler in Wien hat eine Vielzahl von Modellen. Ein großes Portal hat ja diesen ganzen Content jetzt schon. Sie haben ihn nur teilweise in dynamischen Seiten versteckt, in Suchergebnissen, die nicht indexiert werden. Das war ein ganz großer Fehler vor drei, vier, fünf Jahren, da haben viele Portale rein dynamische Suchergebnisse gemacht. Ich glaube, der Content ist jetzt schon da, und größere Portale gehen aber immer mehr in die Richtung, dass sie diese rein dynamischen Seiten teilweise durch technische Tricks versuchen statisch zu machen. Auch ebay macht das. […]

1.000 Parameter im Google Algorithmus?

Kann aber ein Besitzer einer Ferienwohnung in Kärnten eine ähnliche Strategie einschlagen? Ist es auch für ihn möglich unterschiedliche Seiten zu produzieren, einmal für eine Familie mit zwei Kindern, drei Kindern, vier Kindern, fünf Kindern? Und vor allem: wie kann denn da die interne Verlinkung aussehen?

Der Longtail hängt natürlich sehr vom verfügbaren Content ab. Die kleine Pension in Kärnten wird sich naturgemäß schwer tun, der Betrieb hat eine Website von vielleicht fünf bis zehn Webseiten, da kann ich den Longtail nicht abgreifen. Ab einer Größenordnung von hundert, zweihundert Seiten macht das Ganze dann schon Sinn. Bei einer Website mit fünf Unterseiten würde ich mir zwei, drei Begriffe aussuchen, und jeweils eine Unterseite auf einen dieser Begriffe optimieren. Künstlich Content zu erzeugen wird schwierig, weil der ja auch zum Thema passen muss. Der Google Algorithmus ist nicht dumm. Er merkt, wenn Du was nicht Zusammengehöriges hinschreibst, und dann bist Du sofort draußen.

Du hast in Deiner Session gesagt, es vermutlich tausend Parameter, die die großen Suchmaschinen [zur Analyse] benutzen. Die besten Nicht-Google Mitarbeiter (Anm.: SEO-Experten) kennen vielleicht nur 600, vielleicht sogar die Google Mitarbeiter selbst auch nur [ausschnittsweise] 800. Heißt das, man muss unbedingt zu einer großen SEO-Agentur gehen, wenn man für die eigene Website etwas Gutes haben möchte?

Ich glaube, wenn Du Dir als Ziel setzt, mit einem vertretbaren persönlichen Aufwand ganz nach vorne zu kommen, wird das sehr schwer. Dann bist Du entweder weit überdurchschnittlich intelligent, oder sehr fleißig. Es gibt im Internet sehr gute Literatur. Ich selber besitze kein einziges SEO-Buch. Es gibt aber sehr viele Foren, wo Du mitlesen kannst, und da ganz gutes Know-how abgreifen kannst. Wenn Du das aber jetzt mit einem internen Stundensatz multiplizierst, dann wirst Du es wahrscheinlich nicht billiger bekommen als von einer Agentur, wo Du einen Experten hast, der den ganzen Tag nichts anderes macht. Man kann es sehr wohl selber machen, aber ich wage zu bezweifeln, ob es wirklich billiger ist. Ich glaube aber mittlerweile, so mit zwei, drei Kunstgriffen kann man da nicht gewinnen. Von den angesprochenen tausend Punkten – soviel werden’s wohl wirklich sein -, wenn Du da nur fünf machst, bringt das nichts.

Der beste Backlink ist der vom Mitbewerber

Ein Teil der Session war Linkbuildingstrategie. Da gibt es mehrere Möglichkeiten, man holt Links von Geschäftspartnern, Kunden, Verwandten, und vielleicht non Non-Profit-Organisationen, es gibt Artikelverzeichnisse, Social Bookmark Systeme, Webkataloge und so weiter. Ich habe das Gefühl, dass die Experten hier unterschiedliche Aussagen streuen, was an Wichtigkeit zunimmt, was verloren hat. Ein relativ neuer Schrei – und vielleicht auch schon wieder veraltet – sind Presell-Pages. Liegt das Geheimnis erfolgreicher SEO-Agenturen im Wissen, welche Quellen es gibt, und dass sie diese leicht anzapfen können?

SEO ist ja in Wahrheit keine Wissenschaft, es ist ein reines mathematisches Modell, das ist zwar sehr kompliziert und komplex, und nicht jeder weiß alles. Ich glaube auch, dass bei Google nicht jeder [Techniker] den Gesamtalgorithmus kennt, aber in Wahrheit ist es eine recht transparente Geschichte. Eine erfolgreiche SEO-Agentur, die schon viele Kunden hat, tut sich im Linkaufbau leichter. Weil die senden keine Bittschreiben an irgendein anderes Portal, sondern rufen einen bestehenden Kunden an. Wenn Du niemanden kennst, und Deine ersten E-Mails an irgendwelche größeren Websites schickst, wirst Du entweder gar keine Antwort bekommen, oder eine ablehnende. Wenn eine große Agentur von den Top-50 Portalen zwanzig davon betreut, dann kommst Du dort natürlich auch unendlich leichter hinein. Und das ist ein Asset, das auch in den meisten Fällen das Geld wert ist. Einen Link zu kaufen von einer russischen oder ukrainischen Linkfarm, das funktioniert nicht mehr. Google haut die alle aus dem Index raus. Was aber sehr wohl funktioniert, weil’s ja nichts Böses ist, das ist eine Linkverknüpfung mit anderen möglichst Themen-Verwandten. Der beste Backlink ist der von Deinem direkten Mitbewerber, aber der wird natürlich schwer zu bekommen sein.

Es gibt in Deutschland aber auch Link-Agenturen, die – wie mir scheint – sehr seriös vorgehen bei der Angelegenheit. Da fließt zwar auch Geld, aber es gibt [dafür] Links, wo meiner Meinung nach Google nicht erkennen kann, dass das gekaufte Links sind.

Ein Linktausch ist ja grundsätzlich nichts Böses. Wenn ich einen anderen dafür bezahle, dass er mir die Arbeit abnimmt bei der Akquise und für’s technische Arrangement, dann ist das weder für Google etwas Böses noch etwas Illegales.

Jedes Jahr ein Umbruch im SEO-Business

Das Web bewegt sich derzeit ganz stark in Richtung Social Media, Twitter-Meldungen tauchen in Suchmaschinen-Ergebnisseiten auf. Wie verändert sich das Suchmaschinenoptimierungs-Business jetzt gerade?

Ich möchte nicht pathetisch klingen, aber es ist im Umbruch. Die ganz großen Experten sehen immer mehr, dass Backlinks von Facebook und Twitter, auch wenn sie „nofollow“ gesetzt sind, trotzdem etwas bringen. Ein guter Blogeintrag wird x-mal kopiert und zitiert, das bringt nur Vorteile, auf das muss man reagieren. Das Geheimrezept, wie man das wirklich nutzt? Also ich kenne noch niemanden, der das wirklich durchschaut hat, aber da wird sich im nächsten Jahr ganz viel tun. Wobei man sagen muss, das ist im Bereich SEO immer so gewesen. Ich möchte fast sagen in den letzten zehn Jahren war jedes Jahr ein entscheidendes Umbruchjahr, weil es ist immer etwas neues gekommen. Und das geht die nächsten Jahre sicher so weiter, weil eines muss man auf den Punkt bringen: die Hits aus dem organischen Suchergebnis, das ist noch immer der billigste Traffic, den Du bekommen kannst auf Dein Portal, und das wird sich in den nächsten drei Jahren auch nicht ändern meiner Ansicht nach.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Eine Liste mit 1.000 SEO Parametern ist mir nicht bekannt, aber Ann Smarty hat vor einiger Zeit im Search Engine Journal 200 SEO Parameter aufgelistet. Ann schafft entgegen der Titel-Ankündigung nur 130, aber auch diese Menge ist beeindruckend.


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